Der schwimmende Singvogel

DIE WASSERAMSEL

(Cinclus cinclus)

 

Die NABU-Gruppe Mosbach betreut seit Jahren die Wasseramseln an den Bächen rund um Mosbach.

 

Warum nennt man sie so?

Die Wasseramseln sind die besten an ein Wasserleben angepaßten Singvögel. Sie können tauchen und mehrere Meter aktiv schwimmen, sowie auf dem Boden der Bäche entlanglaufen um dort Wasserinsekten, wie Nymphen von Köcher- Eintags- und Steinfliegen, Bachflohkrebse und andere Wassertiere zu fangen.

 

Anpassung

Dies bedingt eine Anpassung an diesen Lebensraum. Die Natur hat dafür die Wasseramsel mit folgenden Besonderheiten ausgestattet:ein pelzduhnenartiges Gefieder, kurze Flügel mit gebogenen Handschwingen für Ruderbewegungen unter Wasser, schlitzförmige verschließbare Nasenöffnungen mit Membranen.Die Augen haben die Fähigkeit sich auf ferne und nahe Gegenstände schnell einzustellen.

 

Aussehen und Gesang

Die Gestalt ist rundlich und gedrungen, oft stelzt sie ihren kurzen Schwanz (ähnlich dem Zaunkönig) und steht auf langen kräftigen dunklen Beinen. Das Gefieder am Oberkopf ist schokoladen- bis gräulichbraun. Am auffälligsten ist die weiße Kehle und Brust, welche sich von ihrem Vorderbauch, der zimt- bis orangebraun ist, deutlich abhebt. Der übrige Körper ist dunkel schiefergrau gefärbt.

 

Hier fühlt sich die Wasseramsel wohl: typisches Habitat im Mariental bei Dallau

Foto: Tim Krieger

 

Lebensraum und Fortpflanzung

Die Wasseramsel bevorzugt ein rasch fließendes, gut durchlüftetes, klares Gewässer. Das Bachbett muß stellenweise seichte und steinige Wasserstellen mit starken Turbulenzen haben Ein natürlicher Bewuchs mit Büschen und Bäumen sollte die Ufer der Bäche säumen.

Noch ein paar Worte zur Fortpflanzung: Die Wasseramseln sind schon im ersten Jahr geschlechtsreif. Bereits ab Herbst beginnt die Paarbildung mit einer auffälligen Balz, aber auch im Frühjahr sind Neuverpaarungen möglich. Die Nistplatzwahl erfolgt durch das Männchen, welches mit Schwirrflug und Gesang das Weibchen zur Besichtigung lockt. Günstige Nistgelegenheiten können jahrelang benutzt werden. Der Höhepunkt der Legetätigkeit und somit der Brutzeit ist der April. Zweitbruten sind möglich, vor allem, wenn die erste Brut verlustig geht. Die Brutdauer beträgt 16 bis 17 Tage und die Jungen verbleiben 20 bis 24 Tage im Nest. Bereits vor Erreichen der Flugfähigkeit können die Jungen schwimmen. Im Alter von 24 bis 26 Tagen fliegen sie bereits kurze Strecken und werden von beiden Altvögeln gefüttert. Nach 31 bis 34 Tagen sind die Jungen selbständig und verlassen bald darauf das Brutrevier.

 

Maßnahmen zur Arterhaltung

Durch die starke Verunreinigung unserer Bäche und Flüsse ging der Bestand der Wasseramsel so stark zurück, daß sie in der „Roten Liste“ unter „Bedrohte Arten“ eingestuft wurde.

Dank der in den letzen Jahren eingeleiteten Maßnamen (Kläranlagen, Bachbettsäuberung usw.) ist im Bereich Mosbach die Wasserqualität in den Bächen wieder so gut, daß die Wasseramsel heute häufiger anzutreffen ist.

Für die Bruthilfe wurde durch den NABU-Mosbach 41 Nistkästen unter den jeweiligen Bachbrücken an folgenden Bachläufen angebracht:

Elzbach, Trienzbach, Hasbach, Sulzbach, Seebach, Auerbach, Gugenbach und Hollerbach bei Buchen.

Auch diese Nistkästen haben sehr zur Arterhaltung und Verbreitung der Wasseramsel beigetragen.

 

Kontrollmaßnahmen

Dies belegen die Kontrolldaten der NABU-Wasseramsel-Arbeitsgruppe Mosbach deutlich:

Die Belegungskontrolle erfolgt im April jeden Jahres.

Von den 41 Brutkästen waren in den letzten 15 Jahren durchschnittlich 30 Stck. mit der Wasseramsel belegt, das entspricht ca. 73%. 5 Brutkästen hat meistens die Gebirgsstelze in Beschlag genommen, der Rest der Kästen (ca. 6) wurde nicht belegt bzw. als Schlafplatz benutzt.

Ein stolzer Erfolg für die NABU-Wasseramsel-Arbeitsgruppe, die sich weiterhin einen so guten Bruterfolg in den kommenden Jahren wünscht.

Alle Nistkästen werden im Herbst gereinigt und wenn erforderlich repariert. Wenn das geschehen ist, kann ein neues Wasseramseljahr beginnen.

 

Beobachtungsmöglichkeit

Da die Wasseramsel ein dämmerungs- und tagaktiver Vogel ist, kann man ihn in seinen Brutrevier gut beobachten Er steht häufig knicksend auf einen vom Wasser umspülten Stein, seine weiße Brust leuchtet und der Vogel ist dadurch gut zu sehen Bei Erregung knickst er, zuckt mit den Flügeln und stelzt den Schwanz. Oft sieht man ihn auch mit schwirrenden Flügelschlägen geradlinig niedrig über das Wasser fliegen.

Wenn man alles zusammenfaßt, ist die Wasseramsel ein sehr interessanter Vogel, den es zu schützen lohnt. Er kann fliegen, tauchen, schwimmen und auf dem Grund des Baches laufen. Diese Eigenschaften sind in der Singvogelwelt einmalig.

Text: Eduard Keller, Mosbach

 

Kontakt:

NABU-Wasseramsel-Arbeitsgruppe

Eduard Keller

Langes Gewann 1

74821 Mosbach

Telefon 0 62 61.78 79

edkeller@freenet.de

 

Vielen Dank für die Zeichnung der Wasseramsel an den Natur- und Vogelschutzverein Wasseramsel Innerschwyz

 

Zur Homepage des NABU Mosbach

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